Bonusgeflüster – Der Podcast für Bonusmamas in Patchworkfamilien

Warum dein Partner der Ex keine Grenzen setzt

Sally Matthes Season 2 Episode 38

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Wenn die Ex sich ständig einmischt und dein Partner nichts dagegen sagt, trifft dich oft nicht nur ihr Verhalten, sondern vor allem sein Schweigen. In diesem Gespräch mit Nadja von Saldern geht es darum, warum manche Männer der Ex keine klaren Grenzen setzen, was das in Bonusmamas auslöst und woran du erkennst, ob du gerade auf Veränderung hoffst, die gar nicht kommt.

Nadja von Saldern ist Paartherapeutin, Mediatorin und Juristin. Gemeinsam sprechen wir darüber, warum Trennungen oft emotional nicht wirklich abgeschlossen sind, weshalb Schuldgefühle und Konfliktvermeidung neue Beziehungen belasten und was Bonusmamas tun können, wenn sie merken, dass sie sich selbst in diesem System verlieren.

IN DIESER FOLGE ERFÄHRST DU:

  • warum sich Ex-Partnerinnen oft weiter einmischen, obwohl die Beziehung längst vorbei ist
  • was hinter dem Schweigen vieler Männer in Patchwork-Konflikten steckt
  • warum Zustimmung ohne Handlung für Bonusmamas so verletzend ist
  • woran du erkennst, dass du sein Verhalten ernster nehmen musst als seine Worte
  • warum klare Ich-Entscheidungen etwas anderes sind als Drohungen
  • was Bonusmamas tun können, wenn sie sich im Patchwork immer mehr verlieren

DIESE FOLGE IST FÜR DICH, WENN:

  • du das Gefühl hast, die Ex bestimmt euer Leben mit
  • dein Partner zwar Verständnis zeigt, aber nichts verändert
  • du dir in Patchwork mehr Klarheit, Schutz und Verbindlichkeit wünschst

👉 Wenn du merkst, dass du genau an diesem Punkt festhängst, trag dich hier auf die Warteliste für mein 1:1 Coaching ein: sallymatthes.com/warteliste

🎬 Diese Folge auf YouTube: youtube.com/@StiefGluecklich

MEHR VON NADJA VON SALDERN:
praxis-saldern.de

Mehr zum Thema: Unsichtbar als Bonusmama, Wertschätzung in Patchwork

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Du kennst diesen Moment, ne? Dein Partner kommt nach Hause, sein Handy vibriert und es ist eine Nachricht von der Ex. Sie will mitentscheiden, wo die Kinder in den Ferien hinfahren, wann ihr sie wie wohin mit habt und sie hat eine Meinung dazu, wie die Hausaufgaben laufen sollen. Und eigentlich findet sie ja auch, dass dein Partner am Wochenende für sie gefälligst erreichbar sein soll. Und du schaust ihn an und du wartest und er sagt halt nichts, zuckt die Schultern und sagt, naja, ich will ja keinen Stress mit dir. Und du stehst da mit dem Gefühl im Bauch, was du nicht so richtig benennen kannst. Irgendwo zwischen Wut, Ohnmacht und dem Gedanken, sag mal, was mache ich denn eigentlich hier? Herzlich willkommen bei Bonusgeflüster, deinem Podcast für mehr Klarheit, Leichtigkeit und Verbindung in deiner Patchwork-Familie. Ich bin Sally, Erziehungswissenschaftlerin, Podcasterin, systemische Coach und selbst Bonusmama. Und heute spreche ich mit einer Frau, die dieses Thema aus einer ganz besonderen Perspektive kennt. Nadja von Saldern ist Paartherapeutin und Mediatorin in Berlin und Potsdam. Sie hat bereits über 3000 Paare begleitet. Sie hat auch ein Buch geschrieben mit dem Titel Glücklich getrennt, wie wir achtsam miteinander umgehen, wenn die Liebe endet. Und sie schreibt regelmäßig für die Kolumne Liebespaar in der Süddeutschen Zeitung. Und sie bringt eine Kombination mit, die ich persönlich so noch nicht erlebt habe. Denn sie ist ausgebildete Juristin und Therapeutin. Das heißt, sie versteht sowohl die rechtliche als auch die emotionale Seite dessen, was in Patchwork-Familien passiert. Darüber hinaus ist sie selbst in der Patchwork-Familie aufgewachsen und kennt also auch diese Perspektive. Und genau das finde ich eben so spannend. Und umso froher bin ich, dass Nadja heute bei mir zu Gast ist im Podcast und wir heute darüber sprechen können, was passiert, wenn sich die Ex immer wieder einmischt und wenn der Partner auch nicht zu seinen Geburten steht und nicht ins Handeln kommt. Warum er vielleicht schweigt und warum das auch für dich so schwierig auszuhalten ist. Und was du tun kannst. All das besprechen wir heute. Bleib auf jeden Fall auch bis zum Ende der Folge dran, denn da fasse ich die Key Takeaways für dich nochmal zusammen. Und wenn du das Gefühl hast, hey, in dieser Situation stecke ich gerade, dann ist die Folge für dich und du darfst dich jetzt erstmal zurücklehnen und dich von unserem Gespräch inspirieren lassen. Und dann freue ich mich total, dass du heute bei mir im Podcast Bundesgeflüster zu Gast bist, liebe Nadja. Nadja, du bist ja Paartherapeutin, du bist Mediatorin und ursprünglich Juristin. Ich glaube, diese Kombination, die gibt es gar nicht so oft. Bevor wir in das Thema einsteigen, würde ich dir gerne einfach mal diese Frage geben, wie bist du denn von der Juristerei zur Paartherapie gekommen?

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Naja, also so ganz außergewöhnlich ist es komischerweise nicht, weil Juristen sich ja auch mit Lösungen von Fällen beschäftigen. Also es gibt ein paar ganz tolle Juristen in der Therapie. Aber trotzdem denke ich mal, ist das nächstliegendste, ich komme ja auch aus einer ganz großen Patchwork-Familie und habe immer eigentlich schon ein paar Therapeuten gegeben, seitdem ich drei bin, so vom Gefühl her. Also eigentlich wäre es naheliegend gewesen, Psychologie zu studieren, aber da habe ich natürlich irgendwie gedacht, ja, also ist es wirklich gut, da hatte ich Angst vor Statistik und all solchen Sachen. Und man macht auch oft den Fehler, dass man nicht das nächstliegendste macht. Also man denkt immer, das, was am naheliegendsten ist, das ist nichts wert. Und deshalb habe ich erstmal Jura studiert, habe mich da so auch wohlgefühlt, also es hat auch Spaß gemacht. Und dann habe ich eigentlich, als ich mein zweites Kind gekriegt habe gemerkt, dass ich ziemlich viele psychologische Themen selber habe, die von anderen gut lösen kann, aber meine nicht gut sind, vor allen Dingen, dass ich auch gespürt habe, dass ich nicht gut lieben kann und dass mir so einiges fehlt. Und dann bin ich auf den eigenen Weg gegangen, habe mal die anderen ruhen lassen, habe mich nicht mehr so um die ganze Patchwork-Familie gekümmert und sondern um mich. Und in diesem Zug habe ich gemerkt, dass ich echt was kann. Und dann habe ich einige Ausbildungen gemacht, unter anderem so eine zweijährige, echt harte Persönlichkeitstrainerausbildung bei Wolfgang Merz, das gibt es leider nicht mehr, und habe gemerkt, ja, das ist einfach meins. Und dann habe ich umgeschwenkt, habe lauter Ausbildungen gemacht, habe gemerkt, da bin ich gut. Und dann kam es eigentlich dazu, dass irgendwann, als ich schon eine partherapeutische Praxis hatte, ich so ein bisschen traurig war, dass ich mein Jura gar nicht mehr benutze. Hat man ja immerhin dann auch sieben, acht Jahre sich intensiv mit beschäftigt, war auch nochmal zwei Jahre Anwälte nach dem Studium. Und dann sagte mein Ausbilder damals bei der Mediations- und Coaching-Ausbildung, sagte, warum machst du nicht Mediation und trends Paare gütlich? Also der hat mich irgendwie auf diese Idee gebracht. Und dann war ich angefixt und mache das seitdem, habe jetzt mal eine kurze Pause eingelegt, weil es doch etwas anstrengend ist, diese Arbeit, muss ich sagen, mache es jetzt aber wieder mehr, habe dann auch ein Buch darüber geschrieben und bin so dann zur Mediation gekommen und trenne Paare und hoffe und es klappt eigentlich zu 95 Prozent, auch ohne Rosenkrieg.

SPEAKER_00

Und das ist so wertvoll, gerade wenn wir so an Patchwork-Familien denken. Also gerade ich kenne das aus meiner Arbeit mit Patchwork-Familien, dass die meisten Konflikte eben daraus entstehen, weil die Trennung nicht gütlich erfolgt, weil irgendjemand verletzt ist und da dann eben diese Konflikte weiter mitgetragen werden.

SPEAKER_01

Also in der Trennung ist das Ziel tatsächlich, gute Eltern zu bleiben, wenn es Kinder gibt, dass die Seelen so schnell wie möglich Frieden finden und dass die Finanzen geschützt sind. Weil das ist nicht geschützt, wenn man sich streitet. Und ich sage immer, all diese drei Ziele, die wirklich jeder hat, der sich trennt, das ist wirklich common knowledge, ja, geht kaputt über Streit alles. Die Seele findet keinen Frieden über Jahre, die Finanzen leiden und gute Eltern ist man auf gar keinen Fall mehr, wenn man sich vor Gericht streitet.

SPEAKER_00

Ja, und das geht ja dann immer so zu Leiden der Kinder. Aber bevor wir da jetzt schon so ein bisschen tief einsteigen, lass uns gerne nochmal so einen Blick zurückwerfen, beziehungsweise das nochmal ein bisschen anders aufziehen. Du hast ja gesagt, zu euch oder beziehungsweise zu dir, also du hast ja eine gemeinschaftliche Praxis mit deinem Mann, kommen ja Paare, wenn die eigentlich schon in der Krise stecken, wenn die eigentlich schon sagen, jetzt wollen wir uns trennen und wir suchen dabei eine Begleitung.

SPEAKER_01

Das ist nur in der Mediation. Und die mache ich ja nur so zehn bis 10 Prozent meiner Zeit ist Mediation. Und das sind dann die Paare, die kommen und wollen sich trennen. Die macht auch mein Mann nicht, weil der das nicht macht. Und da mache ich eine Trennungs- und Scheidungsfolgevereinbarung mit den Paaren. So, der Rest ist tatsächlich Paartherapie. Und da gibt es alles. Da gibt es die Frage, sollen wir uns trennen oder nicht. Wir merken, die ersten Probleme kommen, wir wollen mal draufschauen. Da kommen Paare, wo einer sich schon getrennt hat, der andere will es aber nochmal versuchen. Also da gibt es dann alles.

SPEAKER_00

Ja, da habt ihr dann sozusagen die ganze große Bandbreite. Genau, genau. Ja, okay.

SPEAKER_01

Die kommen auf Hatchwork-Familien ganz oft, weil die haben natürlich oft Paar Themen. Das muss man schon so sehen.

SPEAKER_00

Das ist kompliziert. Ja, absolut. Das kann ich total gut nachvollziehen. Unser heutiges Thema ist ja, so die Ex mischt sich ein und mein Partner lässt das zu. So aus der Rolle der Bonusmama. Ich höre das immer wieder, dass Stiefmütter eben sagen, die Ex bestimmt so unser Leben und mein Partner schützt uns nicht. Der lässt das einfach so zu. Ist das ein Thema, was dir in deiner Arbeit häufiger begegnet? Absolut. Ja.

SPEAKER_01

Das gibt es ziemlich oft in ganz, ganz vielen Schattierungen. Das Krasseste ist sozusagen, dass man als jetzt, ja, wie nennt ihr das, Bonusmama? Oder als Bonusmama sogar wieder eifersüchtig wird auf die Ex und sogar Sorge hat, dass die nochmal was anfangen. Das ist das Krasseste quasi. Bis hin zu eigentlich, dass es so die eine Bandbreite und auf der anderen, also auf der harmlosesten eigentlich ist, dass der Mann schon völlig raus ist und sich wundert, warum seine jetzige Partnerin, Frau die ganze Zeit über die Ex reden will. Da macht sie eigentlich das Fass auf und der Mann sieht das überhaupt nicht mehr. Also diese Bandbreite gibt es und dazwischen gibt es tatsächlich alles.

SPEAKER_00

Kann ich mir total gut vorstellen. Ich würde gerne das, glaube ich, gerne mal so von verschiedenen Perspektiven beleuchten, diese Thematik. Lass uns doch gerne mal bei der Ex-Frau anfangen. Wenn wir sagen, die mischt sich ein in Entscheidungen, in Erziehung, manchmal vielleicht sogar in die neue Beziehung, die hat immer noch so ein bisschen eine Hand mit drin. Was glaubst du denn, was steckt denn dahinter, wenn sich eine Ex-Partnerin immer wieder einmischt?

SPEAKER_01

Naja, also die beiden hatten ja ein Leben zusammen. Und wenn die auch noch Kinder haben, hatten die auch schon ein Familienleben zusammen. Und jetzt ist es irre schwer, in der Trennung zu akzeptieren, dass nicht nur die Paarbbeziehung beendet ist, sondern auch die Familie. Also das heißt, man wünscht sich eigentlich, oder man hat vielleicht verstanden, dass die Paarbbeziehung nicht mehr funktioniert, aber man will die Familie fortführen. Und das kann dann dazu führen, dass man sich wundert, dass der Ex-Mann, also jetzt mal als Ex-Frau sozusagen sich wundert, dass der jetzt Familie woanders lebt und nicht mehr mit mir quasi. Wenn ich mich jetzt mal in die Rolle der Ex-Versetzer. Und dann sagt die, wieso können wir denn nicht auch mal einen Weihabends zusammentrinken? Warum können wir nicht die Geburtstage zusammengestalten? Warum können wir nicht auch mal zusammen in Ferien fahren oder Weihnachten? Weil wir sind doch immer noch eine Familie. Das heißt, es braucht neben der Aufkündigung der Beziehung im Endeffekt auch eine Aufkündigung der Familie. Und das fällt allen sehr viel schwieriger. Oft ist das Leid, vielmehr dazu finden, auch bei meinen Trennungsvereinbarungen oder bei meinen Trennungen, dass eigentlich die Sorge oder die Trauer darum, dass die Familie kaputt geht, schlimmer ist als die Beziehung. Damit hat man sich oft schon arrangiert.

SPEAKER_00

Ja, das kenne ich auch aus meiner Arbeit total gut. Und da werden wir wahrscheinlich gleich nochmal so einsteigen. Aber ich sehe das auch oft an den Schuldgefühlen, die bei den Papas, bei den Männern sozusagen mitkommen. So dieses, die Familie ist kaputt gegangen, vielleicht habe ich auch eine gewisse Schuld daran, dass diese Schuldgefühle einfach noch mit da sind.

SPEAKER_01

Aber natürlich noch der Wunsch herrscht, dass Kinder in einer intakten Familie aufwachsen. Und sobald das nicht so ist, und intakt heißt halt mit Eltern, die sich lieben und die zusammen sind, sobald das nicht der Fall ist, kommen die Schuldgefühle den Kindern gegenüber.

SPEAKER_00

Ja. Also wenn ich das nochmal so zusammenfassen darf, die Ursache ist eigentlich, dass die Abnabelung vom Familienbild noch nicht vollführt wurde, dass ich immer noch so dieses Bild habe, wir sind ja noch eine Familie. Und dann fühlt sich das für Bundesmamas dennoch immer noch so an, als würde sich da ständig jemand von außen mit einmischen und so in meinem Lehrer mit reingreifen. Wie können wir das denn unterscheiden? Was ist denn noch eine Elternkommunikation, bei der es um Co-Elternschaft geht? Und wo fängt die Einmischung an?

SPEAKER_01

Naja, das ist schon jetzt eine sehr komplizierte Frage, weil das ist sehr, sehr auf den Einzelfall natürlich abzustimmen. Und da muss man echt genau gucken, weil manchmal ist man als Ex-Frau wirklich traurig, dass sich der Mann so rauszieht jetzt und nicht mehr hilft. Und dann sitzt die Ex da und weiß nicht, muss entscheiden, ob das Kind nächste Woche einen Schwimmkurs anfängt und erreicht den Mann nicht und der ist nicht da. Es gibt aber auch die, die den Hals nicht vollkriegen kann und sagt, jetzt eigentlich stimmt alles und jetzt möchte ich aber auch noch, dass du mir zuhörst, dass ich dir Bilder schicken darf von den Kindern, was ich gerade Schönes mit den Kindern mache, dass du wirklich voll Teilhabe hast noch an meinem Leben und so. Das ist dann wieder ein Schritt zu viel. Also entscheidend ist, glaube ich, dass das neue Paar, die Bonusmama und ihr Partner, dass die sich gut über dieses Thema austauschen können. Weil alles andere wird zur Last, weil da ist etwas, was man neu verhandeln muss. Wie gehen wir damit um? Was ist für mich noch okay, was ist für mich nicht mehr okay und so weiter. Deshalb pauschal, wann ist Einmischung, wann nicht, finde ich schwierig.

SPEAKER_00

Ja, macht doch total Sinn, dass das einfach jedes Paar für sich selber bespricht. Also zum Beispiel die Ex-Partnerin von meinem Partner, die schickt eben solche Fotos regelmäßig, um ihnen halt am Leben der Kinder teilhaben zu lassen. Und für uns ist das total in Ordnung. Wir haben für uns festgelegt, das ist total fein. Und das ist eben genauso das, wo du eben sagst, das ist das Individuelle, da darf das Paar miteinander entscheiden, das neue Paar.

SPEAKER_01

Ja, oder das muss wirklich, ne? Also das zeigt auch dann eine Qualität der neuen Partnerschaft, ob man das schafft, weil das ist nicht leicht.

SPEAKER_00

Nun kann das ja dabei sein, dass sich Paare eben vielleicht nicht ganz so leicht darauf einigen, was ist denn jetzt okay, was ist denn nicht okay? Und die Bonusmama eben vielleicht sieht, okay, die Ex ruft noch an, die stellt auch noch Forderungen, die überschreitet noch Grenzen und der Partner sagt einfach nichts dazu. Was passiert denn da bei ihm?

SPEAKER_01

Also auch da nicht ganz leicht zu antworten, weil manche Männer tatsächlich so diese Vogelstrauß-Strategie fahren und sagen, ich sage einfach gar nichts und lass mal abwarten und dann irgendwie soll die doch reden so. Und jetzt wünscht sich aber die Bonusmama, dass er mal auf den Tisch haut oder sagt, jetzt ist mal Schluss. Andere Männer wollen vielleicht auch tatsächlich sich selber dieses Familiending aus der Vergangenheit nicht nehmen und freuen sich eigentlich darüber, dass die noch sich einmischt, weil sie sagen, darüber habe ich auch noch so ein bisschen das Gefühl, dass das, was ich damals gelebt habe, noch nicht ganz vorbei ist. Also auch da muss man sehr auf die Trennung gucken, wie hat sich dieses Paar getrennt, was ist da passiert, wie viel hängt da jeder noch drin, wie viel hat man schon losgelassen, wie viel nicht. Ist der überhaupt frei, der neue, der Partner von der Bonusmama, ist der überhaupt wirklich schon frei? Das ist häufig etwas, dass ich hier sitze und sage, ja, der Mann ist noch nicht frei. Die Bonusmama hat gehofft, dass der frei ist, aber das ist er noch nicht. Und so Sachen muss man ganz sensibel angucken. Wichtig ist eben, und das sage ich nochmal, und ich kann auch gleich gerne ein bisschen darüber erzählen, wie es gut gelingen kann oder was ich so erlebe und was ich auch versuche mit den Paaren. Aber es ist halt total entscheidend, dass das neue Paar die Bonusmama und der Partner sich da gut einigen. Wann ist Schluss, was ist die Grenze, wie viel darf sie? Und leider ist da eben die Sicht eine völlig andere. Also die Bonusmama guckt auf die Ex-Beziehung völlig anders als der Mama in dem Fall. Weil der hat ja ganz andere Sachen erlebt. Da gab es ja ein Zusammenspiel aus Gutem und Schlechtem in der Vergangenheit. Da war viel schlecht, deshalb hat man sich getrennt, aber es war ja auch ganz viel gut. Und das gehört zusammen. Es kann nicht nur noch jetzt, weil was schlecht war, alles schlecht werden. Das geht halt nicht. Es war auch ganz viel gut.

SPEAKER_00

Ja, absolut. Und das zeigt dir halt auch wieder, wie komplex diese Dynamiken sind, welche Blickwinkel wir auf so eine Situation werfen können, je nachdem, in welcher Position wir uns auch befinden. Ganz genau. Du hast am Anfang, das hat mich, das hängt noch so ein bisschen bei mir nach. Du hast gesagt, so viele Männer, die haben auch so eine Vogelstrauß-Mentalität. Und die sagen dann ja auch ganz häufig so, naja, ich will ja gar keinen Stress. Und indem sie aber diesen Stress mit der Ex vermeiden, bringen sie ja Stress in die neue Beziehung. Was steckt denn dahinter? Ist da eine tiefere Dynamik dahinter oder sehen sie das wirklich nicht so schlimm?

SPEAKER_01

Also viele Männer positionieren sich nicht in diesem Moment, sondern die versuchen, Konflikte zu vermeiden, Harmonie herzustellen, habt euch doch alle lieb, warum läuft das denn hier jetzt nicht? Und so ganz viele sind enttäuscht darüber, dass es nicht einfach so funktioniert. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die letzte Beziehung gescheitert ist und warum auch die neue vielleicht wieder scheitern wird. Weil es ist ganz wichtig, dass wir nicht sagen, dass wir uns klar in unseren Bedürfnissen positionieren in einer Beziehung. Ich will nach rechts, ich will nach links, oder sagen wir mal, ich möchte heute einen ruhigen Tag haben, ich möchte viele Freunde sehen, also unterschiedliche Bedürfnisse, dass die wirklich gesagt werden und dass man jetzt darüber verhandelt und dann zu einer guten Lösung kommt. Die kann ein Kompromiss sein, die kann auch sein, dass einer mal nachgibt oder dass man gar nichts macht, egal was. Diese Männer haben oft das Gefühl, und es sind fast mehr Männer als Frauen, würde ich jetzt mal sagen, es muss doch dein Bedürfnis, mein Bedürfnis, also ich will was machen, ich will einen ruhigen Tag haben, muss doch ohne Verhandlung zu einem guten Ergebnis führen. Also wir müssen uns doch so lieben, dass wir uns heute einfach einigen darauf, dass wir heute mal was machen oder heute mal einen ruhigen Tag machen. Und in der Regel, in der Verliebtheitsphase, funktioniert das auch. Da sind sich beide immer einig, dann machen die halt was oder sie machen einen ruhigen Tag. Einer steht nach und einer geht seinem Bedürfnis nicht nach, aber das ist ja nicht so schlimm. Aber so ein kleines Tröpfchen im Töpfchen entsteht. Und dann irgendwann merkt man, wenn dann vielleicht nochmal eigene Kinder kommen in der Patchwork-Familie oder die Ex eben stört oder oder oder, dass das Paar diesen Verhandlungsraum nicht hat. Und plötzlich kommt man nicht, wie durch Geisterhand, zu irgendwelchen schönen Lösungen, sondern man muss knallhart im Endeffekt verhandeln. Wie wollen wir das? Wo sind meine Grenzen? Wo hört meine Autonomie auf? Wo ist sie, wo beginnt sie? Was stört dich, was stört mich? Und dann zu einer Lösung kommt. Und wenn du von diesen Männern sprichst, dann sage ich, okay, das sind Männer, die haben keine Lust, sich klar zu positionieren, in den Konflikt zu gehen, um dann eine Lösung zu finden, sondern die sind eigentlich enttäuscht, dass nicht alle Frauen um sie rum eine gute Lösung ihnen präsentieren und sie einfach nur ihre Ruhe haben. Und das ist eine Form von Faulheit, eine Form von Romantisierung der Beziehung, weil man immer denkt, es muss doch ohne Konflikt, ohne Gespräch zu irgendwas kommen und das ist auch eine Form von falsch verstandener Beziehung, kann ich immer nur sagen. Ich weiß nicht, ob das jetzt verständlich ist, weil mir ist das so klar und ich arbeite damit jeden Tag, dass ich es vielleicht nicht gut genug erkläre. Also deshalb frage ich mal nach, weil der Weg über diesen Verhandlungsraum, ich will einen Tag Ruhe haben und ich will gerne viel erleben, wenn man das voneinander weiß und sich klar positioniert hat, ich will Ruhe, ich will was erleben, und jetzt sagt, okay, wir erleben heute was dafür, gucke ich heute Abend aber einen Film und Hangup, dann wissen beide, was sie wollten, man lernt sich kennen über dieses Wissen und man lernt, dass es nicht so schlimm ist, unterschiedlicher Meinung zu sein. Und man baut im Grunde durch diesen Verhandlungsraum, das ist ja nur imaginär oder diesen Gesprächsraum, kann man es auch nennen, baut man auch ein Fundament auf in der Beziehung. Und wenn man das nicht kann, dann versucht man immer irgendwie sich durchzuwurschteln und zu hoffen, dass es irgendwie gut wird. Das geht auf Dauer nicht gut.

SPEAKER_00

Ja, es macht total Sinn für mich. Und auch das, was ich häufig von Bundesmamas höre, ist, dass sie dann eben zum Beispiel sagen würden, okay, ich gehe aber ganz klar in die Verhandlung rein, ich sage, ich möchte, dass du der Exgrenzen zeigst, dass die nicht hier jeden Tag anrufen kann, solche Dinge.

SPEAKER_01

Wenn er sagt, pass mal auf, ich will, dass die hier jeden Tag anruft, ich finde das schön und ich finde das gut, dann ist das natürlich erstmal krass. Aber jetzt fängt die ehrliche Kommunikation an und ein echtes Gespräch, und dann finden die Paare auch eine Lösung. Wenn er aber sagt, ja, okay, dann eben nicht und so, aber dann der Ex nichts sagt, dann hat man ja ein Problem, weil er nicht zu dem steht, was er sagt oder was er tut. Und das ist eines der ganz, ganz großen Paarthemen, die vor allen Dingen in Patchwork auch rauskommen, weil da muss man sich positionieren, leider.

SPEAKER_00

Total. Und das erlebe ich auch in meiner täglichen Arbeit. Das ist eines der größten Dinge, dass dann einer eben doch nicht ganz dazu steht, was er gesagt hat.

SPEAKER_01

Oder ja, ja, jein oder ja, ja, sind so die beiden Sätze.

SPEAKER_00

Und da finde ich das gerade ganz spannend, weil du eben auch nochmal gesagt hast, also eine ehrliche Kommunikation kann ja stattfinden, wenn einer sagt, ja, ich stimme dir zu, ich mache jetzt was anderes oder eben, nee, finde ich nicht. Und jetzt lass uns darüber reden.

SPEAKER_01

Aber wenn das so oder ich sehe es so, ja. Und mir jetzt auch lieber einer sagt, pass mal auf, ich sehe es auch so wie du, aber ich habe die Kraft, nicht was dagegen zu unternehmen. Auch das ist mir schon lieber, als zu sagen, ja, ja und dann aber nichts zu machen. Ja. Jetzt hat man mal so einen Mann. Kann man dann ja auch nicht ändern, muss man irgendwie mit umgehen dann auch.

SPEAKER_00

Und das ist jetzt halt genauso meine Frage. Was kann man denn tun, wenn man dann in diese Situation feststeckt und sagt, okay, der stimmt mir zwar zu, aber der macht halt nichts. Also ein Ultimatum stellen ist ja auch nicht die beste Lösung. Was kann ich denn jetzt tun in der Situation?

SPEAKER_01

Also das Entscheidende ist jetzt, das Verhalten zu werten und nicht das, was gesagt wird. Also wenn gesagt wird, ja, ich will auch nicht, dass sie jeden Tag anruft, ich sage jetzt mal als Beispiel, und jetzt sage ich das aber nicht, der Ex. Sondern komischerweise ruft sie weiterhin über ein Ja jeden Tag an. Ich finde es nicht schlimm, dass sie jeden Tag anruft, ich will jetzt darüber nicht reden, sondern nur über diese Positionierung. Wenn er das gut findet, dann müssen die beiden verhandeln. Das geht dann auch. Aber wenn er sagt, ja, ich finde das schrecklich und ich will das nicht, macht aber nichts, dann muss ich leider als Bonusmama sein Verhalten werten. Ich liebe zu werten, das Verhalten. Also muss sie sagen, du sagst zwar ja, aber ich werte dein ganzes, deine Aura, dein Verhalten, alles, was du hast, werte ich als Nein. Und jetzt ist die Bonusmama gehalten, zu sagen, was macht sie denn jetzt damit, dass er Nein sagt? Weil jetzt weiß sie, er will es so. Das würde er nie zugeben, aber so ist es, weil sonst würde er ja irgendwas anders machen. Und jetzt ist sie eben leider in der Situation, dass es zu ihrem Problem wird. Sie hat jetzt einen Mann, der es in Ordnung findet, auch wenn er es nicht sagt, dass die Ex jeden Tag anruft. Und jetzt muss sie mit diesem Problem umgehen und für sich eine Lösung finden, wie sie das machen kann. Und da kann sie ihm sagen, pass auf, wenn es weiter so ist. Sie kann ihm sagen, du darfst gerne jeden Tag die Anrufe deiner Frau entgegennehmen, Ex-Frau, du darfst auch gerne nicht sagen. Das ist ja dein Leben, deine Entscheidung, deine Autonomie. Und ich will dir nur sagen, wenn das weiter so passiert, werde ich mich entlieben und gehen. Ganz klar, ganz ruhig. Du darfst so sein, wie du bist, finde ich gut. Ist ja deine Entscheidung. Und ich will das nicht. Ich bin das, ich will was anderes, ich fühle mich da wertvoller, ich will geliebt werden, ich will auch nicht angelogen werden. Es tut mir leid, wenn das weiter so geht, ich will es dir nur schon mal ankündigen, dann werde ich mich wohl entschieden. Das ist eine ganz starke Nummer, wenn man das schafft. Ich hatte mal ein Paar, wo sie zehn Jahre lang Wutanfälle hatte, ziemlich krass. Und er hat zehn Jahre lang gesagt, hör auf damit, du zerstörst unsere Familie, du zerstörst mich, ich werde mich trennen, wenn du weitermachst. Die Kinder leiden schon, hör auf, hör auf, hör auf, hör auf. Nichts ist passiert, gar nichts. Sie hat sich nicht geändert, gar nichts. Und dann irgendwann hat sie wieder so einen Anfall gekriegt, so einen Wutanfall, und dann saß er auf dem Stuhl und hat sie so angeguckt und hat gesagt, ja, du darfst doch so sein, wie du bist. Du darfst doch ständig Gutanfälle haben und du darfst dich doch benehmen, wie du willst. Das ist doch völlig okay. Und ich mag gerade, ich will es nicht mehr. Ganz ruhig. Und ist aus der Situation gegangen. Und ich liebe dich auch nicht mehr. Und jetzt hat sie gehandelt. Jetzt. Ich kann das auch alles erklären, aber das ist enorm wie dieses Klare, die es nicht jammern, weil das kennen wir alle von unseren Müttern und Vätern, dieses hör auf damit, bring den Müll raus, räum dein Zimmer auf, wieso ist die Wäsche immer noch nicht unten und so weiter, wird geredet, geredet, geredet. Effekt ist, wir kriegen abends doch unsere Lieblingspfannkuchen von der Mutter gebacken. Oder sie liebt uns wieder oder wir gucken einmal süß und alles ist wieder in Ordnung. Das heißt, solange wir schimpfen, wird nichts verändert, gar nichts. Es wird erst verändert, wenn dem anderen klar wird, ui, hier ist gerade, du darfst den Müll nicht rausbringen, wenn du das nicht möchtest, ist es völlig okay, weil wer bin ich, dich da hinzubringen, sondern zu sagen, wenn du das auch nach einem fünften Mal nicht machst, tut mir leid, ich merke gerade, ich entferne mich von dir. Und es ist ja auch so. Wenn ich immer wieder rede und es passiert nichts, ehrlich gesagt müssen wir immer mehr Kraft aufwenden, um in der Liebe zu bleiben. Weil wir sind sauer, wenn jemand Ja sagt und macht. Und wie gesagt, mir ist lieber, jemand sagt, ich will es auch nicht, aber ich traue mich nicht, meiner Ex das zu sagen. Auch da bin ich schon ganz da. Da sage ich, super, jetzt wird's ehrlich. Es ist auch okay. Aber zu sagen ja, ja und dann nicht zu machen, weiß nicht, das ist halt schwer. Ja, ist das verständlich irgendwie, was ich da meine?

SPEAKER_00

Es ist total verständlich. Ich habe nur noch gerade so einen Gedankenknoten drin. Vielleicht kannst du mir helfen, den so ein bisschen zu entwirren. Ich frage mich gerade, wo ist denn der Unterschied zwischen einer Drohung, also ich setze den anderen ja damit auch in gewisser Art und Weise unter Druck. Wenn ich sage, wenn du das nicht änderst, dann trenne ich mich, weil ich das so für mich nicht möchte. Ja, aber du sagst es gerade fantastisch.

SPEAKER_01

Du sagst es gerade sehr, sehr richtig. Das war keine Sekunde Druck, sondern das war eine Auswirkung von deinem Leben. Du hast es so gesagt, du hast es gerade super gesagt. Also ich wäre geselig, wenn meine Klienten das so sagen würden. Ich möchte das für mich nicht. Punkt. Ist doch dein Leben. Das Problem ist, wenn ich es nicht meine, wenn ich es als Drohung rüberbringe. Wenn ich versuche, den anderen zu manipulieren, zu zwingen, zu drohen, zu sagen, wenn du das weitermachst, dann gibt es zehn Jahre keinen Sex. Das ist eine Drohung, das ist eine Manipulation, das ist eine Einschränkung der Autonomie des anderen. Und das geht alles auch vom Schluss. Aber zu sagen, du, ich will das für mein Leben nicht. Wenn du weiter mit deiner Ex einmal im Jahr in Ferien fahren möchtest, ist das doch okay. Ist doch deine Autonomie. Und ich will es für mein Leben nicht. Ich möchte einen Mann, der frei ist und der ganz für mich da ist. Ich sage es dir nur, und entweder du kannst es ändern, wenn nicht, ist auch okay, aber ich will es dann nicht. Und dieses, dieses, das muss auch relativ früh kommen. Wenn wir damit erst nach 20 Jahren anfangen, dann ist es leider oft so, dass der Mann das dann gar nicht mehr hört und denkt, ach, das ist nur wieder eine andere Form von Drohung oder, und die wird eh nicht, wird eh nicht, wird es eh nicht machen. Man spürt, ob es ein echtes für sich Sorgen ist und sagt, ich kann das nicht, ich will das nicht, oder ob es eine Drohung ist oder eine Einschränkung der Autonomie. Ein hysterisches, du verletzt mich, du tust mir weh, das ist schrecklich, was du da tust und so. Das bringt überhaupt nichts. Das ist das, was der Mann die zehn Jahre versucht hat. Und das hat nichts gemacht. Bringt gar nichts.

SPEAKER_00

Ja, das macht es für mich gerade sehr verständlich.

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Es ist eine Ich-Haltung. Es ist Ich will nicht. Wenn mich eine Freundin dreimal versetzt, dann hoffe ich für mich, dass ich das vierte Mal keine Lust habe, mich zu treffen. Das ist aber eine reine Ich-Entscheidung. Dadurch sage ich nicht, du bist ein schlechter Mensch, dass du mich dreimal versetzt hast. Nein, das kann sie doch machen, wenn sie das will. Ihre Entscheidung. Aber ich darf doch entscheiden, mir ist diese Frau jetzt nichts mehr wert. Oder mir ist es jetzt nicht mehr wert, mir nochmal einen Abend freizuhalten. Das ist doch meine Entscheidung. Ich nenne das immer die Bootetheorie, die lieben alle meine Klienten, dass ich sage, jeder, man steigt zuerst in ein Boot und ist da, weiß ich, durch Sturm und so kommt man wahnsinnig gut durch. Aber irgendwann muss jeder wieder in sein eigenes Boot steigen. Das nennt man Reindividualisierung. Und das erkläre ich auch ganz gut in meinem Buch, weil das ist eine Phase, in der sehr viele sich trennen, dass man sich reindividualisiert, man steigt in sein eigenes Boot. Und da will man auch wieder sein eigener Mensch sein. Und da kann ich nicht auf dem Boot mich rüberhiefen und sagen: so, und jetzt passe ich auf, ob du deine Segel hisst, ich passe auf, ob du nach rechts und dann nach nichts fährst. Nein, das ist ja die Entscheidung von dem eigenen, wohin der, was der mit seinem Boot macht. Und wenn er da die Segel nicht hisst, obwohl er die schönsten Segel hat, die man jemals gesehen hat, dann kann ich da gar nichts machen. Ich kann sagen, du willst zu Hilfe beim Segel hissen, weil ich sehe, du hast tolle Segel und ich würde dir gerne helfen, wenn der aber sagt, nee, will ich nicht, was will man denn dann machen? Dann ist man nur auf dem Boot des anderen. Und wenn eine Frau ständig hysterische Anfälle kriegt, dann kann das ja wirklich eine Thematik sein, die man psychologisch begleiten kann. Ich will die gar nicht dafür verurteilen oder irgendetwas. Aber ich verstehe, wenn jemand sagt, das will ich nicht mehr. Das ist ja sein Leben.

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Ja, total. Ich finde, das ist eine wunderschöne Metapher mit dem Boot. Und ich könnte mir auch gut vorstellen, dass das vielleicht dann auch so eines der Gründe ist, warum es vielleicht manchmal auch in diesen Fällen dazu kommt, dass eben die Bonusmama vielleicht schon viel weiter vorn weggesegelt ist und sagt, für mich ist es furchtbar, die Ex, die bestimmt unser ganzes Leben. Und der Partner ist in seinem Boot vielleicht noch weiter hinten und guckt nach vorne und sagt, ich weiß gar nicht, woher das auf einmal kommt. Wieso ist denn das so ein großes Problem? Das wäre so diese andere Bandseite, die du am Anfang reingebracht hast.

SPEAKER_01

Ja, genau. Und das ist ein sehr wichtiger Punkt, dass man oft auch an unterschiedlichen Stellen unterwegs ist. Und was ich zum Beispiel auch oft erlebe, dass die Bonusmama vielleicht mit einem der Kinder nicht zurecht, nicht so gut zurechtkommt und will dann auch mal mit dem Vater darüber reden, dass doch das Kind ein Problem hat. Und der Vater sieht aber sein Kind anders. Der sieht es einfach anders. Der kann das, was man sieht, von außen nicht sehen. Und das kann ich ihm auch nicht übel nehmen. Ja, und da muss man sehr schnell verstehen, dass man ja einen Menschen auch unterschiedlich beurteilen kann. Auch die Ex wird er anders beurteilen, als die Bonus Mama das macht. Das ist ja ein, weiß ich, ich habe eine Freundin, die liebe ich und mit der habe ich die tollsten Gespräche und meinen Mann kann nicht verstehen, wieso ich die nett finde. Das verstehe ich auch. Der kennt sie ja auch nicht so wie ich. Also auch da muss man viel reden, viel gucken, viel besprechen und das auch verstehen, dass man in unterschiedlichen Welten auch gerade unterwegs ist.

SPEAKER_00

Ja, es ist total schön, dass du das Beispiel einbringst, denn das ist nämlich auch so ein Thema, wo oft dieselbe Dynamik sichtbar wird. Also vielleicht sieht der Partner ja, okay, mein Kind bräuchte mehr Regeln, das braucht noch eine spezielle Förderung. Was weiß ich? Ich stimme der Bonusmama in dem Fall zu und dann ist wieder, aber es kommen keine Handlungen. Und deswegen finde ich das auch so schön, dass du gerade nochmal sagst, wir sehen Menschen auch anders. Und diesen Blick, den Eltern auf ihre Kinder haben, den haben wir als Bonuseltern eben nicht. Wir haben diese rosa-rote Brille nicht auf, mit der wir nun mal unsere eigenen Kinder anschauen.

SPEAKER_01

Ja, und es ist auch nicht nur die rosa-rote Brille. Also ich habe eine Sache, von der ich felsenfest überzeugt bin, dass schlechtes Gewissen jede Erziehung kaputt macht. Geht nicht. Mit schlechtem Gewissen kann ich keine Kinder erziehen. Geht nicht. Ich werde immer Fehler machen. Und deshalb ist natürlich die Bonus Mama oft besser, weil sie sieht es ohne schlechtes Gewissen. Und das muss man einfach wissen. Und deshalb hoffe ich auch, dass man sich da als Vater vielleicht auch manchmal beraten lässt. Aber das ist schwer. Und wenn er sagt, ja, du hast recht, mein Kind müsste mal und so weiter, tut aber nichts, sind wir wieder bei dem Thema von vorhin. Er will eigentlich nicht. Und jetzt muss die Bonus-Mama sich raushalten. Das ist leider so. Weil was soll sie denn machen? Sie kann sich nicht in die Beziehung einmischen. Also muss sie sich raushalten und muss gucken, geht das für mich oder geht das nicht für mich? Wie gehe ich jetzt damit um, dass ich mich raushalten muss?

SPEAKER_00

Ja, zu mir kommen häufig dann auch Bonusmamas, die eben sagen, mit was fange ich denn jetzt als erstes an? Also suche ich das Gespräch mit meinem Partner, arbeite ich jetzt direkt an mir und überlege, wie ich damit umgehe, gehen wir jetzt zu einer gemeinsamen Therapie. Was würdest du denn sagen, was ist denn so der erste Schritt, wenn wir über Lösungen sprechen?

SPEAKER_01

Also auch da wieder die Frage, wo steht das Paar? Eigentlich bin ich totaler Verfechter von Anfängen. Also man muss eigentlich ganz schnell damit anfangen. Wenn das Problem einmal kommt, gleich reden. Jetzt muss ich aber sagen, meistens ist das so, dass es schon Ewigkeiten sich schon etabliert hat, das Thema und so weiter. Und dann wird es halt immer, immer, immer schwieriger. Das ist wie mit Drogen auch, je länger ich die konsumiere, umso schlechter komme ich runter. Das ist so. Nach dem ersten Mal kann ich noch irgendwie einschreiten, aber nach fünf Jahren wird es halt immer schwieriger. Und deshalb müsstest du mir da nochmal sagen, auf welches Paar ich dir da jetzt eine genaue Antwort geben kann. Wie lang ist das Paar zusammen, wo ist das Problem? Weil das ist dann wirklich schon Paartherapie und da wird es für mich dann eigentlich auch egal, ob es eine nervige Schwiegermutter ist, die die Unterhosen der Schwiegertochter sortiert und die schon fünfmal gesagt hat, ich möchte nicht, dass die hier im Schlafzimmer ist. Oder ob es ein schwieriges Kind mit Magersucht ist oder die Ex, die immer noch zu oft anruft. Also es gibt ja für jedes Paar und für Patchwork etwas mehr, gibt es ja Anfeindungen und Schwierigkeiten. Es kann auch die Fußballsucht des Mannes sein oder die Freundin, die, die die Bonusmama, die eher mit der Freundin redet als mit ihrem Mann. Also es gibt ja ganz viele Herausforderungen für Paare. Und ganz entscheidend ist der gemeinsame Wille, wir wollen es schaffen. Und dann eben ehrlich kommunizieren. Und da ist nicht nur einer dran verantwortlich, weil ehrliche Kommunikation ist sehr schwierig, weil ich muss es ja auch aushalten. Also wenn ich meinen Mann frage, warst du schon mal ein Puff und der soll ehrlich sein und das Ja sagen, dann muss ich ja auch damit umgehen, wenn es zum Beispiel auch während meiner Beziehung war oder so. Dann, wenn ich jetzt sage, du Schwein und du und so weiter, dann wird er mir ja das nächste Mal eventuell es nicht mehr ehrlich sagen. Ja. Also es hängt da eben beide immer mit drin. Und ich glaube, halt wichtig ist, das Muster zu erkennen, in das auch die Bonusmama da reingeschlittert ist. Weil es gibt ja auch wirklich Bonusmamas, die fühlen sich so toll darin, wie viel Kraft sie haben, wie gut sie mit den Kindern umgehen. Und die gehen ja völlig über ihre Leistungsfähigkeit drüber und leisten da Wahnsinniges. Und jetzt kriegen sie aber eigentlich keinen Dank dafür, weil der Mann weitermacht und es einsteckt und sich nicht mal richtig bedankt. Da haben aber beide mitgespielt. Wir müssen viel früher mal abwarten, ist das eigentlich gewollt, was ich hier tue, wird mir das eigentlich gezahlt. Also ich habe jetzt gerade eine Bonusmama, die auch das schon mal erlebt hat, also die das zweite Mal mit einem Mann Bonusmama ist. Und das ist dann schon traurig, wenn sich das dann trennt und die Kinder natürlich beim Zater bleiben und sich eigentlich um die Bonusmama gar nicht mehr so richtig kümmern. Also es ist fast wie eine verlorene Beziehung, für die ich sehr, sehr viel investiert habe. Also das muss man sich schon sehr genau angucken, was man da auch leistet und will und ob man eben über seine eigenen Grenzen geht.

SPEAKER_00

Ja, absolut. Und du sprichst da etwas ganz, ganz Wichtiges an, nämlich dieses, ich warte einfach mal ab. Das höre ich so häufig so, dieses Ja, es ist halt kompliziert, aber das wird sich schon einspielen. Und ich sage halt auch immer, von alleine wird es halt einfach nicht. Wir müssen darüber sprechen, wir müssen uns darüber bewusst werden, welche Rolle will ich da einnehmen, was sind meine Aufgaben, all diese Dinge. Und das sollte eigentlich von Anfang an geschehen und eben nicht erst nach zwei, drei Jahren, dass wir dann sagen, so, und jetzt ist das Kind schon in den Brunnen gefallen und wie kriegt man das jetzt wieder raus?

SPEAKER_01

Genau. Ja, und da gibt es eben dann keinen Schalter, den man drückt und dann sagt man zweimal das Richtige und plötzlich funktioniert es. Ja, das ist sehr schwierig. Also was ja zum Beispiel auch ein Riesenthema ist, bevor die Beziehung anfängt mit der Bonusmama und dem Mann, diese Beziehung darf erst public gemacht werden für die Kinder, wenn die ex das weiß. And auch Zustimmt aus meiner Sicht. Also der Mann muss zu seiner Ex gehen und sagen, du, ich habe jetzt eine neue Partnerin, ist das für dich okay, dass die Kinder die kennenlernen? Und wenn die sagt, nein, ist nicht okay, dann geht es noch nicht. Dann muss er mit der Ex das nochmal besprechen. Weil, wenn er es macht, ohne dass die Ex das will, dann spüren die Kinder, dass die Ex was gegen die neue Bonusmama hat. Und schon ist es so kompliziert, weil die Kinder dann zur Mutter halten wollen, sehen, der Vater hat es wieder schön, die Mutter vielleicht nicht. Und zack, wird die Bonusmama vielleicht, obwohl es ein Traum Mensch ist und total toll für die Kinder gewesen wäre, zum Problem. Also schon da, auch am Anfang passieren so schlimme Fehler. Weil der Mann dann plötzlich seiner Ex sagt, jetzt habe ich, die Kinder waren letzte Woche, haben die, weiß ich nicht, mich mit meiner neuen Freundin im Bett erwischt. Schlechter Anfang. Sehr schlechter Anfang. Also schon die ersten Momente sind wichtig bei Patchwork aus meiner Sicht. Ja. Deshalb ist es nicht so, dass die Bonusmama alles richtig macht. Auch die muss von Anfang an darauf achten, dass sie ihre Grenzen kennt, dass sie die Dinge, die ihr wichtig sind, frühzeitig anspricht, guckt, ob das funktioniert und nicht so reinschlittert, indem sie sagt, ach ja, klar, deine Kinder sind dir so wichtig und na klar und nimmt sich total zurück, macht alles weg, kocht, tut, ist okay, wenn der Mann nie da ist und dann plötzlich nach zwei Jahren merkt sie, es ist mir nicht genug. Das ist schwierig.

SPEAKER_00

Absolut. Und ich lächle so ein bisschen, weil das war auch so ein bisschen so meine Dynamik. So, dieses, ich lerne diesen Mann kennen. Ich bin so verliebt und ich mache überhaupt gar keine Gedanken darum, wie das mit den Kindern wird. Und nach zwei Jahren bin ich so erschöpft, weil ich einfach denke, so ich bin hier völlig über meine Grenzen ständig hinausgegangen. Ich habe überhaupt nicht mehr darauf geachtet, wer bin ich. Ich muss jetzt zurück in mein eigenes Boot. Und auf einmal steht die Frage im Raum: so will ich das hier überhaupt?

SPEAKER_01

Genau. Also ich den Mann, ich muss da gerade sehr über mich selber immer vor mich stellt. Und das ist etwas, was man ja vorher wissen kann. Und ideal ist halt, wenn man. Ja, mein, würde ich sagen. Ja, also ideal ist natürlich, wenn man dann auch nochmal ein Kind kriegt, dann hat man auch nochmal die Familie so, das ist dann sozusagen wirklich Patchwork. Dann ist da schon wieder eine Familie, dann wird die Alte nicht mehr ganz so wichtig und so. Also das muss man schon sehr genau angucken. Aber ich erlebe, und ob das jetzt aus schlechtem Gewissen ist oder aus was für Gründen auch immer, dass viele Männer nicht frei sind, weil sie an den Kindern so hängen. Und das heißt gar nicht, dass sie an der Ex so hängen, sondern an den Kindern. Und ich würde ja auch sagen, ein Mann, der jeden Tag Bundesliga Fußball spielt, ist ja auch nicht frei auf eine Art für eine Beziehung. Da muss ich wissen, ob mir dieses bisschen reicht.

SPEAKER_00

Ja, absolut. Und das ist etwas, diese Frage sollte man sich, glaube ich, sehr, sehr schnell stellen. Es ist gut, dass du das nochmal sagst. Nadja, ich würde gerne noch einmal so den Bogen gerne rund machen. Wir hatten ja auch am Anfang über deine Rolle als Mediatorin gesprochen. Gibt es denn Situationen, wenn du mit den Paaren zusammenarbeitest, wo du sagst, naja, hier müssten wir jetzt eigentlich mal die Ex mit an den Tisch holen? Und kann das überhaupt funktionieren?

SPEAKER_01

Also habe ich tatsächlich noch nicht gemacht. Also es gibt jetzt eine Anfrage, dass ich das einmal mache. Da geht es ja aber, glaube ich, um Grundstück und um Haus und so, dass es wirklich eine Mediation ist, aber nicht um sowas. Was sollte ich mit der ex besprechen, was der Mann nicht besprechen muss? Also ich würde mir eben wünschen, dass der Mann sich bei mir oder in unserer Mediation Hilfe holt und dann weiß, wie er handeln soll. Weil wenn ich der Ex sage, jetzt lassen Sie doch mal die junge Familie in Ruhe, Sie stören da, da wird nichts draus, das funktioniert ja nicht. Die gibt mir ja keinen Auftrag in dem Sinne. Wenn die zu mir kommt und sagt, ich merke, ich kann meinen Mann nicht loslassen, obwohl der doch eigentlich glücklich ist mit seiner neuen Partnerin und so, dann arbeite ich natürlich mit ihr. Aber ich würde jetzt so auf die Schnelle keinen Auftrag wissen. Und was aber ganz wichtig ist, ist zum Beispiel, kam ein Klient, den habe ich so vor vier Jahren getrennt. Die Jahreszahl stimmt jetzt nicht, damit man auch keine Rückschüsse ziehen kann. Also vor vier, also schon längere Zeit her. Und der kam dann zu mir und sagte, er fängt keine neue Beziehung an. Irgendwie ist er nicht frei. So, und da habe ich gesagt, was ist denn jetzt mit Ihrer Ex? Die habe ich ja damals kennengelernt, ich habe sie ja getrennt, sagt er, ja, wir fahren noch zweimal im Jahr in Urlaub, jeden Sonntag, wenn ich die Kinder zurückbringe, essen wir noch zusammen und einmal die Woche treffen wir uns eigentlich. Und das ist total toll und total schön. Da habe ich gesagt, wissen Sie, ich glaube, sie hängen noch im Familienleben fest, sie sind nicht frei. Und dann hat er gesagt, ja, was soll ich denn machen? Dann habe ich gesagt, mindestens jetzt mal ein halbes Jahr gar keinen Kontakt, der nicht über haben die Kinder noch eine Hose, sie brauchen schönen Unterricht und so weiter. Keinerlei Kontakt, kein Kaffee, keine Ferien, nichts. Und da hat er gesagt, ja, ich glaube, sie haben recht, ich mache das. Ich erzähle die Geschichte deshalb, weil mich einen Tag später die Ex bitterböse angerufen hat. Richtig bitterböse. Und hat gesagt, jetzt haben wir das hier hingekriegt, dass unsere Trennung so gut läuft, auch damals mit Ihrer Hilfe. Wir sind immer noch eine intakte Familie, die Kinder finden das toll und sie zerstören das jetzt alles, was wir uns aufgebaut haben. Und habe gesagt, ich freue mich, dass Sie anrufen, weil das habe ich mir schon gedacht. Ich möchte Ihnen nur sagen, ich habe den Auftrag von Ihrem Ex-Mann gekriegt, dass er frei sein möchte. Und aus meiner Sicht sind sie frei, weil sie hatten schon einen neuen Partner, sie sind irgendwie frei. Er ist nicht frei. Und ich glaube, es tut auch den Kindern gut, wenn sie einen glücklichen, freien Vater haben, der sich neu verlieben kann. Und das kann so gerade nicht passieren, weil er noch in der alten Familie steckt. Und interessanterweise hat sie das sofort verstanden. Und hat damals gesagt, okay, sie glaubt auch, dass ich recht habe, dass er immer noch quasi in der Familie lebt. Für sie ist es wie eine Freundin treffen, aber für ihn ist es immer noch die alte Familie. Und sie würde jetzt darauf eingehen. Also da hat es einmal was gebracht, dass ich auch mit der Ex gesprochen habe, wollte ich dazu nur sagen. Aber das ist derselben.

SPEAKER_00

Ja, und diese Ex-Frau hat ja dann angerufen, die hat ja dann den Auftrag gegeben.

SPEAKER_01

Der erste Aufhalten hat gesagt, was machen Sie jetzt? Sie zerstören hier eine Familie. Aber irgendwann muss man sich entscheiden, hat man noch eine Familie und ist nicht frei oder ist man frei und hat auch keine Familie mehr. Weil beides aus meiner Sicht funktioniert eben leider nicht.

SPEAKER_00

Ja. Ich würde daraus gern noch eine Frage ableiten, weil ich glaube, viele Bundesmamas werden jetzt wahrscheinlich beim Zuhören denken, ja, okay, wenn er jetzt noch nicht frei ist und ich sehe das, aber er will sich die Hilfe nicht holen. Also er sieht es halt nicht. Was kann ich denn da tun?

SPEAKER_01

Wenn er es wirklich nicht sieht und man es gut probiert hat, man echt alles versucht hat und vieles gemacht hat, dann wird es wieder das Problem der Bonusmutter. Sie muss in ihrem Boot entscheiden, will ich dann dieses Boot, diesen Menschen, oder will ich ihn nicht. Weil die Idee ist ja immer, wie kriege ich ihn da hin, dass er das macht, was doch für ihn und uns am besten wäre. Also das Segel hisst. Wenn der aber sein Segel nicht hissen will, und jeder hat ja auch ein Recht auf ein verkokkstes Leben, also soll doch jeder entscheiden, wie er will, kann ich nichts machen. Ich muss dann nehmen, was ich habe, was ich kriege. Und ich kann ja auch aus einem Mann, der nicht redet, oder jeden Abend nur mit Bier vom Fernseher sitzt, da kann ich noch so oft zur Paartherapeutin kommen und sagen, was kann ich denn jetzt tun, dass mein Mann mal versteht, dass es doch schön wäre, wenn wir abends mal ausgehen. Und ich glaube, das Entscheidende ist, Stresstests zu machen, zu sagen, okay, ich merke gerade, mir reicht es nicht, was du mir geben kannst, du bist nicht frei genug für mich und das, was ich will, ich habe es verdient, dass man mich liebt, ich habe es verdient, dass ich die Nummer eins für jemanden bin. Du bist nicht frei und ich erwarte auch nicht, dass du deine Kinder nicht mehr siehst oder dass du nicht mehr mit deiner Ex-Frau sprichst oder irgendetwas, aber man merkt, ob jemand frei ist oder nicht. Das spürt man einfach in ganz, ganz kleinen Dingen. Und jetzt werde ich, und mir reicht es nicht, ich will dir nur sagen, dass mein Ablösungsprozess beginnt. Und Punkt. Und der kann ein Jahr dauern, der kann eine halbjahr dauern, ich weiß es noch nicht, vielleicht geht es auch ganz schnell, aber ich will dir nur sagen, er beginnt. Und ich finde es fair, dir das zu sagen. Und wenn der jetzt nicht Gas gibt, sondern das irgendwie weiter so laufen lässt wie bisher, dann sind wir doch auch eigentlich ein Schritt weiter, wenn mal ganz ehrlich sind.

SPEAKER_00

Ja. Nadja, was würdest du denn gerne noch so zum Abschluss der Bonusmama sagen, die jetzt gerade zuhört, die jetzt vielleicht schon gedanklich in ihr Boot eingestiegen ist und jedem sagt, okay, ich beginne jetzt diesen Prozess für mich denn, das ist nicht genug für mich. Was würdest du dir denn jetzt noch gern mitgeben?

SPEAKER_01

Ja, also ich glaube, dass es eben wirklich darauf ankommt, in der Patchwork-Familie die eigenen Bedürfnisse im Blick zu haben. Und ganz oft sind wir Frauen darauf nicht geschult. Ich glaube, wir haben durch die Geburten unserer Kinder, denn die Bonusmama hat ja vielleicht auch schon Kinder, weiß es nicht, aber wir sind gewohnt, unsere Autonomie zu vergessen, unsere Selbstbestimmung und Freiheit und den ganzen Tag zu tun, was andere von uns wollen. Und ich glaube, dass es nicht die Männer nur sind, die ihre Bedürfnisse nicht sagen, sondern auch wir Frauen. Und ich glaube, es ist total wichtig, zu sagen, du, ich möchte heute Abend essen gehen, du möchtest, was möchtest du? Und jetzt sagt er, ja, ich will bei meinen Kindern sein. So, dann sagen sie, okay, wir waren jetzt drei Monate nicht zusammen essen, wenn das heute nicht geht, ist das okay, du willst es nicht, dann gehe ich jetzt alleine essen und ich will dir nur sagen, das macht was mit mir. Punkt. Das macht ja auch was mit dir. So ist es ja auch. Also dieses klar vom Mann ein Ja oder ein Nein verlangen. Also zu sagen, willst du mit mir essen gehen? Ja, wie soll ich das denn machen? Mein Kind ist doch krank, du weißt das doch. Möchtest du mit mir essen gehen heute Abend? Ja, aber wie soll ich das denn machen? Meine Frau hat mich schon wieder gebeten, eine Ex-Frau, dass ich heute Abend auf die Kinder aufpasse, obwohl es eigentlich ihr Abend ist, ja, was soll ich denn machen? Und jetzt zu sagen, okay, ich werte deine Antwort als nein, du möchtest mit mir heute nicht essen gehen. Ja, das habe ich ja gar nicht gesagt. Doch, du hast gesagt, du möchtest heute nicht. Also das heißt, dieses mein Bedürfnis klar sagen und eine klare Positionierung vom anderen, das ihm klar wird, er sagt gerade nein. Ich weiß, dass er seinen Grund hat, aber er sagt trotzdem nein. Also, dass ich diese klare Kommunikation, dieses Ja-Nein von meinem Partner immer wieder erwirke. Willst du oder willst du nicht? Möchtest du mir zu Weihnachten in Zukunft was schenken oder nicht? Ja, ich will ja, aber ich vergesse es immer und möchtest du mir, möchtest du deiner Tochter sagen, dass sie mich so nicht behandeln darf? Ja, das finde ich ja auch nicht gut, aber was soll ich denn machen? Und jetzt eben einfach zu sagen, okay, ich werte deine Antwort als nein. Du willst nichts sagen. Ja, das stimmt ja lieber, sorry, ist aber so. Ich werte es als nein. Und diese Klarheit, die ist eigentlich der größte Tipp oder der wichtigste Tipp, den ich geben kann, weil wir uns dann selber auch so oft klarer werden. Wir interpretieren nicht was rein, wir denken nicht immer, er würde ja, wenn er könnte, sondern wir wissen auch, woran wir sind. Und das hilft der Bonus-Mama dann auch sehr viel mehr. Im Endeffekt.

SPEAKER_00

Ja. Ja, ist ein ganz wichtiger Tipp. Ich danke dir schon mal später. Ja, nein, ab alle Bundesmamas, die den gerade hören.

SPEAKER_01

Nicht rauskommen lassen. Ein Ja oder Nein muss kommen, denn er will nicht. Und wir Frauen sind da leider auch nicht gut. Wir sagen, wir wollen gerne mal ein Wochenende alleine wegfahren und dann ermöglicht man uns das und dann wollen wir die Kinder doch nicht alleine lassen. Also wir sind da auch nicht gut. Wir Frauen.

SPEAKER_00

Absolut. Ich glaube, das ist definitiv etwas, was wir alle noch lernen dürfen, daran noch arbeiten müssen, dass wir das sozusagen noch klarer kommunizieren. Absolut. Nadja, ich danke dir für dieses Gespräch, für all dein Wissen, was du mit uns heute geteilt hast. Ich glaube, da ist ganz, ganz viel für die Bonus-Mamas dabei. Und wir verlinken natürlich auf jeden Fall auch dein Buch, deine Homepage, alles in den Shownotes, damit dich da auch die Menschen finden, wenn sie merken, ich bin jetzt bereit, ins Boot zu steigen. Und ich wünsche mir Begleitung bei der Nadja. Du bietest ja Online-Beratungen an, ansonsten seid ihr in Potsdam-Berlin unterwegs, wenn ich das richtig gelesen habe, gell? Wir haben eine Praxis in Berlin.

SPEAKER_01

In Potsdam immer nur einzeln. Also wir arbeiten nicht zusammen, mein Mann und ich. Wir haben unterschiedliche Klären. Mein Mann macht das genauso, der macht nur eben keine Trennung, weil er kein Jurist ist.

SPEAKER_00

Ja, okay. Das verlinken wir auf jeden Fall in den Shownotes, damit euch da auch die Menschen finden, die eben sagen, mit den beiden möchte ich oder mit Nadja möchte ich den Weg gehen, um mich da begleiten zu lassen. Ich danke dir sehr für deine Zeit, liebe Nadja. Und ich wünsche dir jetzt noch einen wunderschönen Nachmittag. Danke, was für ein tolles Interview war das denn bitte? Ich freue mich total, dass sich Nadja die Zeit genommen hat und uns einfach noch mal so ein bisschen mehr in die Tiefe mitgenommen hat. Die uns erklärt hat, warum der Partner vielleicht etwas nicht sagt, warum er einfach nachgibt, warum er auch this streit entgehen möchte. Sie had uns mitgenommen, dazu zu gucken, was we then eigentlich tun als Bonus Mamas in dieser Situation. And what they're nachhold, is your Aussage, we dürfen this verhalten. And während sie davon gesprochen hat, habe ich schon bei mir so einen inneren Widerstand gespürt, weil ich es sofort mit Wettbewerten in Verbindung gebracht habe. Aber darum geht es gar nicht. Also wenn wir uns nochmal so eine Situation angucken und eben wirklich sagen, so hey, ich sehe dein Verhalten und ich werte es dementsprechend, heißt das ja nicht, dass dieses Verhalten nicht okay ist. Er kann ja tun und lassen, was er möchte, und gleichzeitig werte und interpretiere ich das für mich und ziehe daraus einen Schluss für mich. Das war für mich heute nochmal ein ganz, ganz großer Aha-Moment. Eben da auch nochmal den Unterschied auch für mich zu machen, okay, zwischen Bewertung und einer Wertung. Das ist mir auf jeden Fall hängen geblieben und wird mich mit Sicherheit noch öfter begleiten. Was ich jetzt auf jeden Fall gleich noch umsetzen möchte, ich möchte meinen Partner nämlich fragen, ob der mit mir heute essen gehen möchte, weil ich essen gehen möchte. Das war auch nochmal so ein Hinweis: so ja, natürlich, wir brauchen eine ganz klare Kommunikation. Und dann können wir eben auch Dinge einfordern. Willst du mit mir heute Abend essen gehen? Ja oder nein? Wenn nicht, ist auch okay. Dann gehe ich alleine, dann besorge ich mir was alleine, ist völlig okay. Also auch solche Schritte eben nochmal wieder ins Gedächtnis zu rufen, zu sagen, so ja, wir haben einfach diese Voraussetzungen mit einer klaren Kommunikation. Wenn wir diese klare Kommunikation erfüllen, dann schaffen wir es auch miteinander über Themen zu sprechen, die vielleicht unangenehm sind. Und gleichzeitig können wir dann Lösungen finden. Dann können wir ins Gespräch miteinander gehen. Auch das war heute nochmal ganz, ganz wichtig, dass Nadja das auch nochmal so herausgestellt hat. Es hat mich wieder einmal bestätigt in meiner Arbeit tatsächlich. Denn ich arbeite mit Bundesmamas ja zuerst einmal an der Klarheit. Wir schauen ja, was brauchst du denn, was sind denn deine Bedürfnisse, was sind denn deine Wünsche, wo willst du denn hin? Also wir fangen an der Basis an, das hat sie ja heute auch nochmal gesagt, dass wir eben wissen müssen, was wir wollen, was wir brauchen, damit wir es später dann eben auch kommunizieren können. Und ich habe da noch diesen Zwischenschritt mit der Bonus-Mama-Formel eingefügt, nämlich die Veränderungen. Also jetzt weiß ich vielleicht, was ich brauche. Ich weiß, dass ich heute essen gehen möchte. Und jetzt kann ich gucken, welche Veränderungen brauche ich. Entweder ich warte darauf, dass mein Partner mich irgendwann mal zum Essen einlädt, oder ich fordere es eben ein und wenn er es nicht möchte, dann mache ich das auch für mich alleine. Oder ich kommuniziere es eben dementsprechend. Und das ist ja der dritte Schritt der Bonus-Mama-Formel. Das Ganze so zu kommunizieren, dass wir gehört werden, dass wir in Verbindung bleiben, dass es nicht um irgendeinen Angriff geht. Und das hat Nadja heute auch nochmal bestätigt, dass es diese drei Schritte einfach braucht. Und von daher bin ich mir sicher, dass wir auf einem total guten Weg sind mit der Bonus-Mama-Formel, mit Beyond-Bonus, mit den Programmen, mit den Coachings, mit denen ich Bonus-Mamas begleite. Und das zeigen ja auch die Resultate of those, die mit mir zusammenarbeiten. When you one möchtest, then show in the link in the show notes. In this test, you can ausprobieren or can you heraise welcher Fehler dein Patchwork-Beziehung blockiert? And then Strategien, Tipps, and Ratschläge, wie du das beheben kannst and what you as eres answered. Also schau auf jeden Fall in den Link in den Shownotes. And I freak mich auf dich in the next folder. Bleib klar, bleib by dir, and for all stief und glücklich.